Tharon Val'Kesh

Der Schild von Elesmera

Es gibt Krieger, deren Ruhm auf der Zahl ihrer Siege beruht. Es gibt Helden, die man für ihre Stärke bewundert. Und es gibt jene wenigen, die niemals deshalb unsterblich werden, weil sie besonders viele Feinde erschlugen, sondern weil niemals ein Gefährte hinter ihnen zurückgelassen wurde.

Tharon Val'Kesh war einer dieser Menschen.

In den Chroniken Elesmeras findet sich kein Bericht über einen Kampf, in dem Tharon jemals den Rückzug verweigerte, um Ruhm zu erlangen. Doch ebenso wenig existiert ein Bericht darüber, dass er einen Verwundeten zurückließ. Für ihn bedeutete Stärke nicht, länger zu kämpfen als jeder andere. Stärke bedeutete, dafür zu sorgen, dass möglichst viele den nächsten Sonnenaufgang erleben konnten.

Der Wächter der Mauern

Schon viele Jahre vor dem Krieg gegen Razágh diente Tharon als Hauptmann der Stadtwache. Nicht weil er adlig war. Nicht weil er über außergewöhnliche Kräfte verfügte. Sondern weil ihm jeder vertraute.

Menschen. Elfen. Orks. Zwerge. Selbst Gargoyles folgten seinem Wort. Nicht aus Pflicht. Sondern aus Respekt.

Er sprach niemals laut. Er musste niemals drohen. Seine bloße Anwesenheit gab den Menschen das Gefühl, dass alles gut werden würde.

Die längste Nacht

Als Razághs Heere schließlich die äußeren Mauern erreichten, stand Tharon an der Spitze der Verteidiger. Er kämpfte nicht für Ruhm. Nicht für Ehre. Er kämpfte für jedes einzelne Leben hinter den Mauern.

Chronisten berichten, dass sein Schild am Ende der Schlacht kaum noch aus Holz bestand. Er war durchzogen von Klauen, Hörnern und dämonischen Klingen. Dennoch hob Tharon ihn immer wieder. Nicht um sich selbst zu schützen. Sondern für die Menschen hinter ihm.

Der letzte Rückzug

Als Arion den Riss vorbereitete und Lyra gemeinsam mit den Magiern die große Barriere erschuf, erhielt Tharon den schwersten Befehl seines Lebens. Den Rückzug decken.

Er wusste, was dieser Auftrag bedeutete. Jede Minute, die er länger standhielt, bedeutete hunderte weiterer Bewohner, die den Riss erreichen konnten.

Er führte keinen Angriff. Er wurde selbst zur Mauer. Die Dämonen mussten erst an ihm vorbei. Und das gelang ihnen nicht.

Der Weg nach Sosaria

Als der letzte der 777 den Riss durchschritten hatte, war Tharon einer der Letzten, die folgten. Er blickte nicht zurück. Denn er wusste, dass jeder Blick zurück seine Entschlossenheit brechen konnte.

In Sosaria lehnte er jede Auszeichnung ab. Er wollte keinen Titel. Kein Schloss. Kein eigenes Heer.

Stattdessen bildete er Wachen aus. Nicht darin, wie man tötet. Sondern darin, wie man beschützt. Viele der ältesten Stadtgarden Sosarias führen ihre Grundsätze bis heute auf einen schweigsamen Krieger zurück, dessen Schild niemals für sich selbst erhoben wurde.

Das Vermächtnis

In alten Schriften findet sich ein Satz, der bis heute mit Tharon Val'Kesh verbunden wird.

"Ein Schild schützt nicht den, der ihn trägt. Er schützt den, der hinter ihm steht."

Viele glauben, dieser Satz sei nur eine Legende. Doch jene, die die Geschichte Elesmeras kennen, wissen, dass darin mehr Wahrheit steckt als in den meisten Chroniken.