Nicht jede Legende entsteht durch einen Sieg.
Manche entstehen durch diejenigen, die verhindern, dass aus einem Konflikt ein Krieg wird.
Seraya Windläufer war eine solche Legende.
Sie trug keine Krone.
Sie führte keine Armee.
Sie eroberte keine Länder.
Doch sie besaß etwas, das in den dunkelsten Zeiten Elesmeras vielleicht wertvoller war als jede Waffe:
Die Fähigkeit zuzuhören.
Seraya wurde in den alten Wäldern Elesmeras geboren.
Schon als Kind verstand sie die Sprache der Natur auf eine Weise, die selbst erfahrene Druiden erstaunte.
Während andere die Welt in Völker und Grenzen einteilten, sah Seraya nur Verbindungen.
Ein Baum war nicht nur Holz.
Ein Fluss war nicht nur Wasser.
Ein fremdes Wesen war nicht automatisch ein Feind.
Diese Sichtweise machte sie zu einer außergewöhnlichen Späherin.
Als Razágh nach Elesmera kam, wurde Serayas Aufgabe wichtiger denn je.
Sie bewegte sich zwischen den Frontlinien.
Sie beobachtete die Bewegungen der Dämonen.
Sie brachte Nachrichten durch Gebiete, die für andere unpassierbar waren.
Viele Krieger überlebten nur, weil Seraya sie rechtzeitig warnte.
Doch sie kämpfte nicht nur gegen Feinde.
Sie kämpfte gegen Angst.
Als der Riss geöffnet wurde und die 777 nach Sosaria gelangten, war Seraya eine der Ersten, die diese fremde Welt erkundete.
Sie erwartete eine feindliche Umgebung.
Eine Welt voller Gefahren.
Doch sie fand etwas anderes.
Sosaria war nicht perfekt.
Auch dort gab es Konflikte.
Auch dort gab es Hass und Misstrauen.
Aber auch dort gab es Menschen und Wesen, die nach Frieden suchten.
Viele der ersten Begegnungen zwischen den Bewohnern Sosarias und den elesmerischen Wanderern wurden durch Seraya ermöglicht.
Sie verstand, dass Angst oft aus Unwissenheit entsteht.
Also zeigte sie den Bewohnern Sosarias nicht nur die Magie Elesmeras.
Sie zeigte ihnen dessen Herz.
Eine Welt, in der Herkunft nicht über den Wert eines Lebens entschied.
Eine Welt, in der ein Ork, ein Elf, ein Mensch, ein Gargoyle oder ein Zwerg nebeneinander stehen konnten.
Niemand weiß, wann Seraya endgültig aus den Chroniken verschwand.
Einige Geschichten erzählen, dass sie noch immer durch die Wälder Sosarias reist.
Andere behaupten, sie suche noch immer nach einem Weg zurück nach Elesmera.
Vielleicht beobachtet sie noch heute die Grenzen zwischen den Welten.
Vielleicht wartet sie auf den Moment, in dem die letzte Tür wieder geöffnet wird.