Nicht jeder, der Geschichte schreibt, führt ein Schwert.
Nicht jeder Held hinterlässt eine Spur aus Blut.
Manche hinterlassen Leben.
Elian Mor'Thael war Gargoyle.
In vielen Welten hätte allein seine Erscheinung genügt, um Misstrauen zu säen.
Doch Elesmera war keine gewöhnliche Welt.
Dort fragte niemand zuerst nach deiner Herkunft.
Man fragte, wer du warst.
Und Elian war ein Heiler.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Schon als junger Gargoyle lernte Elian, Knochen zu richten, Wunden zu nähen und Krankheiten zu erkennen.
Doch seine größte Gabe war nicht sein Wissen.
Es war seine Haltung.
Er behandelte den Bettler genauso wie den Ratsherren.
Den Zwerg genauso wie den Elfen.
Den Ork genauso wie den Menschen.
Wenn jemand fragte, weshalb er keinerlei Unterschiede machte, antwortete Elian stets:
"Schmerz kennt keine Rasse."
Während Razághs Belagerung verwandelte sich ein alter Versammlungssaal in das größte Lazarett der Stadt.
Dort arbeitete Elian nahezu ohne Schlaf.
Tag und Nacht.
Woche um Woche.
Er verlor den Überblick darüber, wie viele Leben er rettete.
Und irgendwann hörte er auf zu zählen.
Denn jede gerettete Seele bedeutete eine Familie, die nicht auseinanderbrach.
Mit jedem Tag wurden die Verwundeten mehr.
Die Heilkräuter weniger.
Die Magie schwächer.
Elian wusste längst, dass nicht mehr alle gerettet werden konnten.
Dennoch setzte er sich zu jedem Sterbenden.
Niemand sollte allein gehen.
Viele Chronisten behaupten später, Elian habe mehr Trost gespendet als Heilung.
Vielleicht war genau das seine größte Gabe.
Als Arion den Riss öffnete, war Elian einer derjenigen, die zunächst bleiben wollten.
Nicht aus Angst.
Sondern weil im Lazarett noch Menschen lagen, die nicht mehr laufen konnten.
Er verließ Elesmera erst, nachdem der letzte Überlebende durch das Tor gebracht worden war.
Als einer der letzten 777 trat er schließlich selbst durch den Riss.
Nicht als Held.
Sondern als Heiler.
In Sosaria gründete Elian keinen Tempel.
Keine Akademie.
Keinen Orden.
Er lehrte einfach jeden, der helfen wollte.
Ganz gleich, welcher Herkunft.
Ganz gleich, welchem Volk.
Viele der ältesten Heiltraditionen Sosarias führen ihre Wurzeln auf einen schweigsamen Gargoyle zurück.
Sein Name verschwand mit den Jahrhunderten.
Doch sein Gedanke blieb bestehen:
"Ein Leben besitzt keinen Wert, weil es stark ist.
Es besitzt Wert, weil es lebt."