Lyra

Die Hüterin des letzten Lichts

Viele Namen aus der Geschichte Elesmeras wurden vergessen. Namen großer Krieger. Namen mächtiger Magier. Namen von Herrschern und Anführern.

Doch manche Namen verschwinden niemals. Nicht weil sie Macht besaßen. Sondern weil sie ein Opfer brachten, das niemand vergessen kann.

Lyra war eine dieser Personen.

Sie war keine Königin. Keine Feldherrin. Keine Anführerin einer Armee.

Sie war eine Magierin, die immer daran glaubte, dass Magie nicht dazu geschaffen wurde, andere zu beherrschen. Magie sollte schützen. Bewahren. Hoffnung geben.

Die junge Magierin Elesmeras

Schon früh zeigte Lyra eine außergewöhnliche Verbindung zu den alten Energien der Welt. Während andere Magier versuchten, Magie durch Kontrolle zu verstehen, versuchte Lyra sie durch Harmonie zu verstehen.

Sie studierte nicht nur Zauberformeln. Sie studierte Menschen. Sie lernte von Zwergen, die Runen in Stein verewigten. Sie lernte von Elfen, die Magie als Teil der Natur betrachteten. Sie lernte von Gargoyles, die die Kraft der Elemente in ihrem eigenen Körper trugen.

Für Lyra war Elesmera niemals nur eine Stadt. Elesmera war eine Idee. Der Beweis, dass verschiedenste Wesen gemeinsam existieren konnten.

Der Fall der Hoffnung

Als Razágh erschien, war Lyra eine der ersten Magierinnen, die sich der Verteidigung anschloss.

Sie stand auf den Mauern der Stadt und sah Dinge, die niemand jemals sehen sollte. Dämonische Heere am Horizont. Verdunkelte Himmel. Eine Welt, die langsam ihren Atem verlor.

Doch während viele Menschen Angst bekamen, blieb Lyra ruhig.

Sie sagte:

"Wenn die Dunkelheit unsere Welt verschlingt, dann soll sie zuerst an unserem Licht zerbrechen."

Diese Worte wurden später zu einem der bekanntesten Zitate der letzten Tage Elesmeras.

Der große Schutzkreis

Als die Verteidigung der Stadt zusammenbrach, blieb nur noch eine Möglichkeit.

Die große Barriere.

Ein Zauber, der selbst Razágh aufhalten konnte. Aber ein Zauber, der einen unvorstellbaren Preis forderte.

Die mächtigsten Magier Elesmeras versammelten sich auf dem zentralen Platz. Nicht in einem Tempel. Nicht hinter sicheren Mauern.

Sie standen dort, wo jeder sie sehen konnte.

Sieben Kreise wurden gezogen. Sieben Runenlinien wurden aktiviert. Sieben Tage und Nächte hielten sie die Verbindung aufrecht.

Mit jedem Augenblick wurde die Barriere stärker. Doch mit jedem Augenblick verlor jeder Magier einen Teil seiner eigenen Lebenskraft.

Der letzte Zauber

Lyra wusste, dass sie diesen Zauber nicht überleben würde.

Sie hätte gehen können. Sie hätte mit den 777 durch den Riss fliehen können.

Doch sie entschied sich zu bleiben.

Denn jemand musste dafür sorgen, dass die Tür offen blieb. Jemand musste dafür sorgen, dass die Dämonen nicht folgen konnten.

Während Arion und die Wanderer den Weg nach Sosaria suchten, stand Lyra im Zentrum der Magie.

Die Sonne verschwand. Der Himmel wurde schwarz. Die Welt hielt den Atem an.

Und Lyra sprach den letzten Teil des Zaubers.

Die letzte Erinnerung

Niemand weiß genau, was in ihren letzten Momenten geschah.

Manche sagen, sie sah die Zukunft. Andere behaupten, sie hörte noch einmal die Stimmen all jener, die sie schützen wollte.

Die ältesten Schriften berichten nur von einem einzigen Satz:

"Solange jemand zurückkehrt, war unser Opfer nicht umsonst."

Danach erlosch ihr Licht.

Doch die Barriere blieb.

Lyra in Sosaria

Jahrhunderte später erzählen die Bewohner Sosarias Geschichten über eine unbekannte Magierin, deren Name nicht vergessen wurde.

Eine Frau, die niemals ein Reich gründete. Eine Frau, die niemals einen Thron beanspruchte.

Und dennoch beeinflusste sie Generationen.

Viele Magierorden Sosarias führen ihre Traditionen auf die Lehren der elesmerischen Wanderer zurück.

Ob sie wirklich von Lyra abstammen oder nur von ihrer Geschichte inspiriert wurden, weiß niemand.

Aber überall dort, wo Magie zum Schutz eingesetzt wird, erinnern sich manche an die Hüterin des letzten Lichts.