Nicht jeder Held trägt eine Rüstung.
Manche tragen Wissen.
Manche tragen Verantwortung.
Und manche tragen die Last einer ganzen Welt auf ihren Schultern.
Arion Val'Thar war einer dieser Menschen.
Schon lange bevor Razágh an den Toren Elesmeras erschien, beschäftigte sich Arion mit den Grenzen zwischen den Welten.
Während andere Magier nach Macht suchten, suchte er nach Verständnis.
Er glaubte nicht daran, dass Dimensionen voneinander getrennt waren.
Er glaubte daran, dass jede Welt nur ein Teil eines größeren Ganzen war.
Viele hielten seine Forschungen für gefährlich.
Manche nannten ihn einen Träumer.
Andere einen Wahnsinnigen.
Doch Arion wusste etwas, das niemand hören wollte:
Eines Tages würde Elesmera eine Verbindung zu einer anderen Welt benötigen.
Als Razágh erschien, wurde aus Theorie Realität.
Die Armeen des Dämonenkönigs kamen nicht wie gewöhnliche Feinde.
Sie kamen wie eine Naturkatastrophe.
Wo sie erschienen, starben Felder.
Wo sie marschierten, verstummten Tiere.
Wo ihr Schatten fiel, verloren selbst mutige Krieger ihre Hoffnung.
Doch Elesmera stand.
Arion kämpfte nicht mit einer Klinge.
Seine Waffe war Wissen.
Er half den Magiern beim Aufbau der Schutzkreise, berechnete die alten Runen und suchte gleichzeitig nach dem einzigen Weg, der noch blieb.
Einem Weg hinaus.
Als die Mauern Elesmeras zu brechen drohten, versammelten sich die Anführer aller Völker.
Niemand wollte fliehen.
Niemand wollte seine Heimat verlassen.
Doch alle verstanden:
Wenn Elesmera fiel, durfte nicht auch seine Idee sterben.
Arion erhielt den Auftrag, den Riss zu öffnen.
Nicht weil er der mächtigste Magier war.
Sondern weil er der Einzige war, der verstand, was er erschaffen musste.
Ein Tor zwischen zwei Welten.
Ein letzter Funken Hoffnung.
Die Auswahl der Wanderer war keine Auswahl der Stärke.
Sie waren kein Heer.
Keine Armee.
Keine Gruppe von Eroberern.
Unter ihnen waren Schmiede, Heiler, Händler, Krieger, Magier und einfache Bewohner.
Menschen und Wesen aller Völker.
Arion führte sie nicht, weil er über ihnen stand.
Er ging mit ihnen, weil er wusste:
Eine Welt wird nicht durch einzelne Helden gerettet.
Sie wird durch Menschen gerettet, die gemeinsam handeln.
Als der Riss geöffnet wurde, bebte die Stadt.
Der Schutzkreis der Magier hielt Razágh zurück.
Noch.
Arion stand am Tor zwischen den Welten und blickte ein letztes Mal zurück.
Auf die Stadt.
Auf seine Heimat.
Auf die Menschen, die zurückblieben.
Er wusste nicht, ob Elesmera noch existierte, wenn er eines Tages zurückkehren würde.
Aber er wusste:
Solange jemand die Geschichte erzählte, war Elesmera nicht verloren.
Die Ankunft in Sosaria war anders als erwartet.
Niemand erwartete sie.
Niemand kannte ihren Krieg.
Niemand kannte Razágh.
Für viele waren die Wanderer Fremde.
Doch mit der Zeit veränderte sich Sosaria.
Die Menschen dort lernten von Elesmera.
Von ihrer Magie.
Von ihrer Gemeinschaft.
Von ihrer Überzeugung, dass Unterschiede keine Schwäche sein müssen.
Arion wurde nicht als König erinnert.
Nicht als Herrscher.
Sondern als jemand, der eine Idee in eine neue Welt brachte.